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Gründung der SG Emertsham

Bericht aus dem Jahre 2000

Im Jahr 1950, der 2. Weltkrieg war gerade 5 Jahre vorbei, regte sich langsam wieder das Vereinsleben in den Dörfern.

In Emertsham taten sich einige zusammen und stellten erst einmal Nachforschungen an, ob in der Gemeinde in früheren Zeiten ein Schützenverein bestanden hatte, dessen Tradition man hätte fortführen können.

Es gab zwar Aussagen, daß vor dem 1. Weltkrieg in Altenham einer dagewesen sein müßte, aber es waren keinerlei Aufzeichnungen aufzutreiben. So beschloß man, einen neuen Schützenverein zu gründen. Bei der Gründungsversammlung kam man überein, dem Verein den Namen Alt- und Jungschützengesellschaft zu geben, um eine möglichst breite Bevölkerungsschicht anzusprechen. Das Vereinslokal war beim Wimmer Wirt. Von den Gründungsmitgliedern gehören heute noch Otto Zach, Andreas Mayr sen. und Andreas Wimmer dem Verein als Ehrenmitglieder an.

Des weiteren waren bei der Gründung, soweit heute noch bekannt, Max Stauderer sen., Hans Harrecker sen., Englbert Thalhammer, Stefan Kaltenhauser, Josef Pleyer, Hans Huber und Heinrich Sax anwesend.

Als 1. Schützenmeister ging Andreas Mayr sen. hervor, der dieses Amt 28 Jahre innehatte.

Als 2. Schützenmeister wurde Max Stauderer mit großer Mehrheit gewählt.

Um den Schießbetrieb sofort aufnehmen zu können, brauchten die Schützen natürlich ein Gewehr. Die Frage war nun, wie finanzieren?

So ein Zimmerstutzen kostete damals DM 350,-, das war gerade 2 Jahre nach der Währungsreform eine Menge Geld.

Schließlich kam vom damaligen Hauptlehrer Max Fichtl der Vorschlag, der “Wirts-Anderl” solle das Geld vorstrecken, es würde Ihm dann ratenweise zurückbezahlt.

Dieser Vorschlag, so versichert Andreas Wimmer heute, wurde, außer von ihm, begeistert angenommen. Sein Geld hat er, wenn auch in einem Zeitraum von 2 Jahren, wieder erhalten.

Gleich am nächsten Tag fuhr der Vorstand zum Pachmayr nach Traunstein, um den Zimmerstutzen zu kaufen. Aber um den Schießbetrieb aufnehmen zu können, war noch eine weitere Hürde zu nehmen. So kurze Zeit nach dem 2. Weltkrieg hatten die Amerikaner noch viel mitzureden, und Deutsche und ein Gewehr, da vermutete man schon wieder Militär. So mußte der Schützenmeister eine Erklärung abgeben, daß der Verein der Geselligkeit dient und keine militärischen oder politischen Ziele verfolgt.

 

Erst jetzt konnte mit dem Schießen begonnen werden. Während der ersten Jahre geschah dies im Gastzimmer. Zu den Gästen hin stellte man ein paar Sperrholzplatten als Abtrennung, eine Scheibenzuganlage gab es noch nicht, so wurde die Scheibe vorne reingesteckt, und der “Zieler”, der vorne unter der Scheibe hinter einem Verschlag saß, zeigte nach jedem Schuß auf einer Zahlentafel den jeweiligen Treffer an. Ein “Juchzer” bei einem 12er brachte ihm schon mal ein 10erl Trinkgeld vom erfolgreichen Schützen ein.


Geselligkeit war im Verein von jeher groß geschrieben und in den Statuten und der späteren Satzung fest verankert, bis im Jahre 1997 bei der Beantragung der Gemeinnützigkeit dieser Passus gestrichen werden mußte.


So erzählt man, daß in den Anfangsjahren so manche Runde ausgeschossen wurde.

Einem Vertreter, der hiesige Firmen besuchte, und der gerne zu den Schießabenden nach Emertsham kam, konnte glaubhaft gemacht werden, daß ein Kunstschütze des Vereines es fertig bringe, rückwärts über die Schulter, mit einem Spiegel zum Visieren, einen 12er zu schießen.

Eine Zündkapsel ohne Kugel im Zimmerstutzen und der Zieler machten dieses “Kunststück” perfekt und dem erstaunten Gast blieb nichts anderes übrig, als eine Runde zu zahlen.




Um das Sportliche attraktiver zu gestalten, beschloß die Schützengesellschaft, eine Schützenkette anzuschaffen.

Im Jahre 1955 begann man zu sammeln, um die nötigen Taler für die Grundausstattung aufzubringen und die Kosten abdecken zu können.





Im April 1956 hielt der Verein das erste Königsschießen ab, und Otto Zach ging mit einem 14-Teiler als erster Emertshamer Schützenkönig hervor. Das wurde mit einem großen Schützenfest, mit Unterstützung einer 40-Mann Blaskapelle aus Österreich, gefeiert.

Ein Jahr zuvor hatte der Komponist und Kapellmeister Hans Schneider aus Liezen in der Steiermark nach Emertsham geheiratet und er erklärte sich bereit, die Blaskapelle seiner Heimatstadt nach Emertsham zu holen. Die Kapelle spielte am Abend in den beiden voll besetzten Sälen, beim Wimmer und beim Spirkl. Am Sonntag gab’s dann noch ein Standkonzert. Noch heute erzählen die älteren Schützen gerne von diesem Großereignis, das der Schützenkasse sehr wohltat, hatte man doch bei der Ankunft der Musik nur noch DM 20,- in der Kasse.

Ermutigt durch diese Finanzspritze leistete sich der Verein ein Luftgewehr.

Der Zimmerstutzen wurde immer unbeliebter, weil bei Vergleichskämpfen durch das kleinere Kaliber immer schlechtere Ergebnisse rauskamen.

Ab 1962 stellte man den Schießbetrieb völlig um. So wurde vom Gastzimmer ins Nebenzimmer geschossen. Ein Tisch, an die Wand gerückt, diente als Standverlängerung, um die vorgeschriebenen 10 Meter in etwa zu erreichen.

War man bis 1965 ein “wilder Verein”, der sich privat versicherte, so entschloß man sich jetzt dem Gau- und Sportschützenbund beizutreten.